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Spiel mit dem Tempo

06.12.2011

Die aus Nordhausen stammende Marike Wegener führt das Florett für den Fechtsportclub Jena.

Von Sibylle Reinhardt

Stück für Stück pellt sich Marike Wegener aus ihrer Fechtmontur. Maske, Handschuh, Weste, Jacke und Hose - allein die Vorstellung, das alles am Körper zu tragen, bringt einen beim Zuschauen ins Schwitzen. "Im Wettkampf steigt unsere Körpertemperatur unter den Sachen bis auf 40 Grad", sagt die 18-Jährige, als ob es das Normalste wäre. Sie ist es gewohnt. Jetzt aber hat sie erst einmal Pause. Zeit für ein Gespräch in der Fechthalle des Jenaer Sportgymnasiums.

Marike Wegener gilt als Thüringens größtes Fechttalent. Die Deutsche Vizemeisterin der A-Jugend im Florett und Deutsche Meisterin mit der Mannschaft im Jahr 2009 ist drauf und dran, sich auch im an der Spitze zu etablieren. Trainer Wolfgang Bohn, zugleich Präsident des Thüringer Fechtverbandes, ist bester Dinge: "Im Moment steht Marike auf Platz 9 der deutschen Junioren-Rangliste im Damenflorett. Sie hat noch zwei Fechtsaisons als Juniorin vor sich, ist willensstark und hoch motiviert."

Interview Marike Wegener

Marikes Waffe ist das Florett. Anders als beim Degenfechten, bei dem Treffer am gesamten Körper zählen, muss der Florett-Stich den Rumpf treffen. "Leichtes Antippen reicht nicht. Erst bei einem Druck von mindesten 500 Gramm wird die elektronische Trefferanzeige ausgelöst", erklärt die aus Nordhausen stammende Sportlerin.

Aus Neugier hatte sie sich in der 1. Klasse für die Sport-Arbeitsgemeinschaft Fechten angemeldet - und war im Handumdrehen begeistert. Mit 11 Jahren wechselte sie von Nordhausen nach Jena ans Sportgymnasium. Hier sind Stundenplan und Trainingspensum exakt aufeinander abgestimmt. Denn selbst bei einem großen Talent drücken die Lehrer kein Auge zu. Marikes Schulnoten stimmen. "Sonst könnte ich nicht so oft zu Wettkämpfen fahren. Und auch meine Eltern wären wohl nicht einverstanden." Im kommenden Jahr steht das Abitur an.

Drei Minuten dauert ein Fecht-Duell auf der Bahn. Nur schnelle und zugleich präzise Bewegungen ermöglichen ein exaktes Treffen. Für die Fechterin heißt das: Drei Minuten in Bewegung und unter Körperspannung bleiben ihr Sekundenbruchteile, um auf Aktionen des Gegners zu reagieren. "Wichtig sind Schnelligkeit und taktisches Denken. Aber auch Zweikampfhärte - die sportliche Aggressivität, die man auf die Bahn bringen muss", sagt Wolfgang Bohn und bescheinigt Marike alle drei Eigenschaften. Und wo sieht sie selbst ihre Stärke? "Ich gebe nie auf, egal wie der Trefferstand ist."

Interview Marike Wegener

Seit August gehört Marike zum C-Kader des Deutschen Fechtverbandes, absolviert mehrmals im Jahr Lehrgänge im Bundesleistungszentrum in Tauberbischofsheim. "Einmal bei Olympia das Florett führen, vielleicht 2020 - das wär's." Internationaler Konkurrenz steht sie jedoch auch schon an diesem Wochenende gegenüber: beim Junioren­Weltcup in Bochum. Marikes Ziel: "Eine Platzierung im ersten Drittel". Dafür bringt sie sicher auch manchen Konkurrenten ins Schwitzen.