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Fechterin Marike Wegener startet in die neue Saison

18.09.2010

Thomas Fritz / TA (gekürzt)

Es war der Charme des Exotischen, der sie vor zehn Jahren auf die Fechtbahn zog. "An meiner Ganztagsschule wurden verschiedene Sport- Arbeitsgemeinschaften angeboten und ich habe mich fürs Fechten entschieden. Das war mal etwas anderes." Seitdem hat es Marike Wegener auf der Planche weit gebracht. Die 17-jährige Sportlerin vom FSC Jena gilt als "größtes Fechttalent im Freistaat". So beschreibt Wolfgang Bohn, seit vier Jahren Präsident des Thüringer Fechtverbandes (TH FV), die Stellung der gebürtigen Nordhäuserin. Als deutsche Vize- Meisterin der A-Jugend im Florett sowie Titelträgerin mit der Mannschaft im vergangenen Jahr ist sie das Aushängeschild des Thüringer Verbandes.

"Marike hat alle Möglichkeiten", erklärt TH FV-Vizepräsident und Leistungssportbeauftragter Uwe Zeng. "Diese Saison ist entscheidend. Der Wechsel von der A-Jugend zu den Junioren bereitet vielen Probleme, weil man zunächst gegen zwei Jahre ältere Athleten bestehen muss. Aber Marike hat Biss. Ich traue ihr das zu." Für die Ende Oktober beginnende Junioren-EM in Russland hat sich Wegener nicht qualifiziert. Eine Teilnahme an den Junioren-Kontinentalwettkämpfen 2011 hat sie sich aber fest vorgenommen. "Das wäre für den Thüringer Fechtsport der größte Erfolg seit langer Zeit", so Wolfgang Bohn.

Nach den guten Leistungen durch Stanek und Co. folgte für die hiesige Fechtszene eine schwierige Phase. Und zwar selbstverschuldet, wie Wolfgang Bohn bekennt. Die Förderung des Nachwuchses sei vernachlässigt worden. Der TH FV habe sich damals an die Erfolge der Gegenwart geklammert, ohne für die Zukunft zu planen. Durch die Stärkung der Vereine, insbesondere der verstärkten finanziellen
Förderung des B-Jugendbereiches, wurde schließlich gegengesteuert. Mit den fünf Talentleistungszentren Weimar, Jena, Altenburg, Weida sowie Mühlhausen/Nordhausen und dem Landesleistungszentrum in Jena gelang es darüber hinaus, das Stützpunktsystem zu stärken.

In den 13 Vereinen des Freistaates sind heute mehr als 500 Fechterinnen und Fechter aktiv. Neben Wegener, die seit dem 1. August im C-Kader Damenflorett des DFB steht, gelten Anne Haupt vom PSV Weimar und Lucie Nikoleizig vom FSC Nordhausen - beide im Perspektivkader Florett geführt - als große Talente.

Wenn absehbar ist, dass einem Thüringer Fechter der Sprung zu den Aktiven gelingen kann, wäre ab 18 Jahren ein dauerhafter Wechsel in die Bundesleistungszentren Tauberbischofsheim (Damenflorett) oder Bonn (Herrenflorett) möglich. Die seit einem Jahr bestehende Kooperation mit der rheinischen und baden-württembergischen Talentschmiede ermöglicht es Thüringer Fechtern, nach Ende der Juniorenzeit ihre Karriere unter professionellen Bedingungen weiterzuverfolgen. "Das wäre hier gar nicht möglich. Dafür haben wir nicht die Strukturen, weil unsere intensive Förderung mit 20 Jahren endet", erklärt Präsident Bohn. Obwohl Talente dadurch ein Stück weit dem eigenen Einfluss entzogen werden, sieht Bohn die Kooperationen durchweg positiv. "Ein Wechsel nach Bonn oder Tauberbischofsheim wäre nicht nur mit moralischer Anerkennung für den TH FV verbunden. Unsere Nachwuchsarbeit würde auch finanziell davon profitieren."

Für Marike Wegener ist ein dauerhafter Umzug nach Tauberbischofsheim noch kein Thema. Sie ist zwar wie aktuell bei Kader-Lehrgängen und zur Turniervorbereitung regelmäßig in der fränkischen Kleinstadt zu Gast. Bis zum Abitur mit 19 Jahren will sie aber in Jena bleiben. Dort finden am
kommenden Wochenende auch die offenen Mitteleuropäischen Meisterschaften der Aktiven und Junioren statt. Für Wegener, die zuletzt an einer Knieverletzung laborierte, ist es der erste Wettkampfeinsatz der noch jungen Saison.

Von den Olympischen Spielen träumt sie jetzt schon. "Aber erst 2020. Dann bin ich im besten Fechtalter." Das Nahziel ist die Junioren-EM im nächsten Herbst. Im Sport, den sie einst so exotisch fand, würde Marike Wegener dann als einzige Thüringerin selbst etwas Außergewöhnliches sein.