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Das Florett steht nun im Arbeitszimmer

21.08.2010

Die Fechterin Susanne Michaluk (26) hat ihre Karriere nach dem Weltcup von New York beendet

Von Michael Ulbrich


Jena. Sie ist die letzte ihrer Generation. Susanne Michaluk, 26 Jahre alt, Fechterin. Vornehmlich Florett. Doch ihre Waffen stehen derzeit vernachlässigt daheim in ihrem Arbeitszimmer. Es ist ruhig geworden um Thüringens beste Aktive, die Vorzeige-Fechterin des FSC Jena. "Ich habe Schluss gemacht", sagt sie. Schluss mit der aktiven Fechterei nach 16 Jahren. "Ohne Wehmut, ohne Tränen - nein, mit einem Lächeln", sagt sie. 

Selbst wollte sie den Zeitpunkt bestimmen, Gründe gibt es viele. "Seit einem Jahr geistert der Gedanke schon bei mir herum, jetzt habe ich den Schritt vollzogen." Zum einen, weil Jena nicht die Möglichkeiten und Bedingungen biete, um im Aktivenbereich in der deutschen Spitze mitzufechten. Zum anderen, weil ihr auch die Unterstützung durch den Deutschen Fechter-Bund (DFB) fehlt. "Der DFB interessiert sich nicht für seine zweite Reihe. Irgendwann fragt man sich dann, für wen man das alles noch macht." Sie hat es immer für sich gemacht. Zuletzt schaffte sie eine Finalteilnahme beim Weltcup in Göppingen. Das war im April. Im Juni folgte dann der absolute Höhepunkt. "Ich war in New York, habe dort ein Weltcup gefochten." Mehr, das hat sie so mit sich vereinbart, mehr ist nicht mehr drin. "Also hört man auf, wenn es am schönsten ist, und nicht dann, wenn einen Verletzungen oder der Frust dazu zwingen." 

Heimlich, still und leise tritt sie aber nicht ab. Einen langen Brief hat sie an ihren Verein verfasst, ihre Gründe dargelegt. "Unter die besten Zwölf zu kommen, ist das Maximum, was man in Jena erreichen kann. Der Verein ist eben auf den Jugendleistungssport ausgerichtet", sagt sie. Das sei kein Vorwurf, sondern eine Feststellung. Und Michaluk will helfen, den guten Ruf des Jenaer Nachwuchses aufrecht zu erhalten. Schon seit Jahren trainiert sie die Schüler des Vereins, stieg nun nach dem Karriereende zur B-Jugend-Trainerin auf. Zehn bis zwölf Talente betreut sie, darunter auch eine so ambitionierte Fechterin wie Elisabeth Stoß, die vor einem Jahr aus Halle kam. Kann sie vielleicht irgendwann in Michaluks Fußstapfen treten? "Das ist in dem Altersbereich noch nicht zu sagen. Als ich so alt war, war bei mir auch nicht klar, wohin die Reise geht." Fechten ist eben ein Zuschussgeschäft, dazu kommen Entscheidungen, wie es nach Abitur weitergeht. Zehn Jahrgänge hat es seit Michaluk gegeben, in denen keine in die deutsche Spitze vorgedrungen ist. Zehn Jahre, die man in Jena nicht etwa verschlafen habe. "Die eine hat eben keine Zeit mehr wegen des Studiums, die andere zieht es beruflich in eine andere Ecke. So hat jede ihre Gründe", sagt Michaluk. Das Potential, ihre Nachfolge anzutreten, hat am ehesten die Nordhäuserin Marike Wegener vom FSC Jena. "Sie wird immer fechten, das ist genau ihr Ding", sagt Michaluk. Und "ihr Ding" wird es künftig sein, einer wie Wegener mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Gleich so, wie es ihr langjähriger Trainer Wolfgang Bohn für sie tat.

Abwechslung findet Michaluk seit wenigen Wochen beim Handball. Sie trainiert bei der zweiten Mannschaft des HBV Jena. "Aus reinem Spaß an der Freude", sagt sie. Ihre Waffen, so viel ist sicher, werden ihr Arbeitszimmer nicht mehr verlassen. Die letzte ihrer Generation hat aufgehört. Endgültig.

Susanne Michaluk zum Weltcup in New York

Vor kurzem auf der Brooklyn-Bridge in New York City waren Susanne Michaluk und Michael Stanek anzutreffen.